Hoeneß kritisiert Infantino scharf: „Dann ist es nicht mehr mein Sport“
Hoeneß äußert Bedenken bezüglich Infantinos Führung
Der Ehrenpräsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, hat sich kritisch über die Amtsführung von FIFA-Präsident Gianni Infantino geäußert. Hoeneß äußerte seine Bedenken in einem Interview mit RTL/Sky, wobei er mehrere Vorfälle und Entwicklungen ansprach, die seiner Meinung nach die Integrität des Fußballs gefährden könnten. Er betonte, dass Infantinos Entscheidungen den Sport, wie er ihn kennt, grundlegend verändern könnten.
Ein zentraler Kritikpunkt von Hoeneß war der sogenannte „Fall Balogun“ während der zurückliegenden Fußball-Weltmeisterschaft. Hoeneß bezeichnete die Rücknahme einer Sperre gegen den US-Nationalspieler Folarin Balogun nach dessen Platzverweis im Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina als einen der größten Fehler Infantinos. Er kritisierte scharf, dass externe Einflüsse, wie die von Donald Trump, Entscheidungen über Spielersperren beeinflussen könnten. „Wenn man einen Mann wie Donald Trump entscheiden oder beeinflussen lässt, ob ein Spieler gesperrt wird oder nicht, ist das der Anfang vom Ende, vom Wettbewerb. Und wenn wir so etwas akzeptieren, dann ist es nicht mehr mein Sport“, so Hoeneß.
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Hoeneß, der 1974 Weltmeister wurde, sieht in solchen Vorgängen eine „Unmöglichkeit“ und eine Bedrohung für den fairen Wettbewerb. Diese Äußerungen unterstreichen seine tiefe Besorgnis über die Richtung, in die der Weltfußball unter Infantinos Führung steuert. Die Einmischung von Politik in sportliche Entscheidungen sei für ihn eine rote Linie, die überschritten wurde.
Kritik an WM-Plänen und Belastung der Spieler
Ein weiterer Punkt, den Hoeneß scharf verurteilte, sind Infantinos Pläne, Anteile an der Weltmeisterschaft zu verkaufen und das Turnierformat weiter auszuweiten. Hoeneß zeigte sich fassungslos über die Idee, Anteile der WM zu veräußern. Er kritisierte zudem die Entwicklung, die von Infantino vorangetrieben wird, die Anzahl der teilnehmenden Mannschaften zu erhöhen. „Jetzt waren es 48 Mannschaften, demnächst werden es 64 sein“, bemerkte Hoeneß.
Diese Ausweitung des Turnierformats bereitet Hoeneß große Sorgen hinsichtlich der Belastung für die Vereine und Spieler. Er wies darauf hin, dass die Vereine ihre Spieler bereits über einen längeren Zeitraum zur Verfügung stellen müssen. „Wir haben unsere Spieler jetzt schon sechs Wochen zur Verfügung gestellt und dann wird das vielleicht noch länger. Das ist unglaublich“, erklärte der 74-Jährige. Obwohl er die Unterstützung kleinerer Verbände befürwortet, ist Hoeneß der Ansicht, dass eine Weltmeisterschaft eine „Eliteveranstaltung“ bleiben sollte. Er befürchtet, dass die Qualität des Fußballs leiden könnte, wenn die Anzahl der Teilnehmer zu stark steigt, auch wenn dies mehr Fernsehsender dazu bewegen könnte, Geld zu bezahlen.
Hoeneß sieht in dieser Entwicklung eine Gefahr für den Kern des Sports. Die kontinuierliche Ausweitung der Turniere führe zu einer Überbeanspruchung der Spieler, was letztlich dem Fußball selbst schaden könnte. Der Ehrenpräsident des FC Bayern München macht deutlich, dass die kommerziellen Interessen nicht über das Wohl der Spieler und die sportliche Integrität gestellt werden sollten.

Infantinos Zukunft als FIFA-Präsident in Frage gestellt
Angesichts der anhaltenden Kritik und der Entwicklungen im Weltfußball zweifelt Hoeneß öffentlich an Gianni Infantinos Zukunft als FIFA-Präsident. Hoeneß riet dem Schweizer, auf die UEFA zuzugehen und eine Lösung zu finden. Er deutete an, dass es sonst „sehr eng für ihn im Frühjahr“ werden könnte, wenn er überhaupt zur Wahl antreten kann.
Infantino plant, im März für eine vierte Amtszeit zu kandidieren. Allerdings hat die Europäische Fußball-Union (UEFA) ihm die Unterstützung verweigert und forciert stattdessen seinen Rückzug. Die UEFA droht sogar mit einem Boykott von FIFA-Turnieren. In einem öffentlichen Brief beschuldigten die UEFA, der nord- und mittelamerikanische Verband CONCACAF sowie der asiatische Verband AFC die FIFA, ihr Vertrauen durch Täuschung missbraucht zu haben. Auslöser dieser Anschuldigungen war Infantinos inzwischen verworfener WM-Investorenplan, den auch Hoeneß scharf kritisiert hatte.
Die Situation deutet auf einen Machtkampf innerhalb des Weltfußballs hin, bei dem Infantinos Position zunehmend unter Druck gerät. Hoeneß‘ Äußerungen verstärken die Zweifel an Infantinos Fähigkeit, die FIFA weiterhin zu führen, insbesondere im Hinblick auf die bevorstehende Wahl im März.
Source: n-tv.de
